Warum wir diese Kooperation für unseren Stadtteil brauchen!

In Duisburg hat sich, wie im Ruhrgebiet insgesamt, die Bevölkerungsstruktur in den letzten Jahren erheblich verändert. Zum einen gibt es einen Trend zur Abwanderung aus den Großstädten des Ruhrgebiets ins nahe gelegene, häufig ländlich geprägte Umland. Diese Abwanderung wird insbesondere getragen von einkommensstärkeren Haushalten und von Familien mit Kinder ("mehr Licht, mehr Luft, mehr Raum"). Forciert wird der Bevölkerungsrückgang zusätzlich durch eine Überalterung der Bevölkerung. D. h. in den Großstädten des Ruhrgebiets werden nicht genug Kinder geboren um die Zahl der Sterbenden aufzuwiegen.

Der starke Bevölkerungsrückgang, verursacht durch die "Stadtflucht" und die Überalterung der Bevölkerung, hat in den Großstädten des Ruhrgebiets und auch in Duisburg zu einer ganz deutlichen Entspannung auf den Wohnungsmärkten geführt. Innerstädtisch folgt diesem Bevölkerungsrückgang eine Abwanderung von Stadtteil zu Stadtteil. Weniger attraktive Stadtteile des Duisburger Nordens und des Zentrums der Stadt (Hochfeld) verlieren Einwohner/-innen. Andere, attraktivere Stadtteile am Stadtrand und vorzugsweise im Duisburger Süden gewinnen Einwohner/-innen dazu oder bleiben doch zumindest in ihrer Einwohnerzahl stabil.

Da viele Bessergestellte in attraktivere Stadtteile fortziehen, bleiben neben denen, die durch ihre lange Wohndauer oder durch Eigentumsbildung im Stadtteil verwurzelt sind, diejenigen zurück, die es sich nicht leisten können, wegzuziehen. Es kommt zu einer sozialstrukturellen Entmischung (Segregation), zu "überforderten Nachbarschaften" weil die, die jetzt noch zuziehen, die bereits vorhandene starke Konzentration von einkommensschwachen Haushalten, von Haushalten, die arbeitslos sind oder von Sozialhilfe leben müssen, von ausländischen Haushalten und von überproportional vielen Problemhaushalten (Alkoholiker, psychisch auffällige Personen etc.) nochmals verstärken.

Diese sozialstrukturelle Abwärtsentwicklung ist gepaart mit einer sozialräumlichen Abwärtsentwicklung. Neben einer starken Fluktuation im Wohnungsbestand nehmen die Wohnungsleerstände zu. Wohnqualitäten nehmen ab, weil, zum Teil aufgrund von Leerständen, notwendige Sanierungen an Gebäuden und Wohnungen unterbleiben. Das Wohnumfeld und die wohnortnahe Infrastruktur werden vernachlässigt.

Wie einzelne Stichproben ergaben, wird die Bausubstanz vor allem dort vernachlässigt, wo überregional tätige Wohnungsgesellschaften oder Einzeleigentümer mit großen Wohnungsbeständen agieren, die das Interesse an den lokalen Gegebenheiten längst verloren haben, weil für sie nur noch die Höhe der eigenen Rendite das alles entscheidende Kriterium darstellt. Diese scheiden als Kooperationspartner für eine lokale Eigentümerinitiative aus. Vor diesem Hintergrund hat ein Zusammenschluß von Einzeleigentümern den Charakter einer Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung beim "Management rund ums Haus".

Im einzelnen lauten die Ziele:

Initiierung von aktiven Nachbarschaften von Einzeleigentümern, die an der Attraktivität ihrer Häuser, ihres Wohnviertels bzw. ihres Wohnquartiers arbeiten. Erarbeitung von Ideen/Konzepten, die zu Quartiersverbesserungen führen, sowohl an den Gebäuden selbst als auch im Wohnumfeld. Aktive Vertretung dieser Ideen und Konzepte gegenüber der Stadt Duisburg, dem Stadtteilbüro und der Öffentlichkeit. Anregung von privaten Investitionen in den Wohnungsbestand und von öffentlichen/privaten Investitionen im Bereich Wohnumfeld.

 

  • Einrichtung einer "Verkaufsbörse": Welche Häuser/Wohnungen stehen in Hochfeld zum Verkauf bzw. stehen leer und kommen gegebenenfalls in den Verkauf? Suche nach Investoren/Kaufinteressenten z. B. über Sparkassen/Banken, Handwerker, die selbst sanieren wollen oder Sanierungsaufträge bei Vermittlung von Investoren erhalten. Selbstnutzer sind vermutlich am ehesten zur Stabilisierung der Sozialstruktur in Hochfeld geeignet.

 

  • Belegungsmanagement: gegenseitige Unterstützung bei der Suche oder beim Tausch (z. B. kleine gegen große Wohnung) von empfehlenswerten Mieterhaushalten. Einrichtung einer "Wohnungsbörse" ( Wohnungspool im Internet) zur Vermietung von Wohnungen. In diesen Wohnungspool sollten nur Wohnungen aufgenommen werden, die einen adäquaten Modernisierungsstand aufweisen und bei denen das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

 

  • Ermittlung der Wohnungsnachfrage in Hochfeld hinsichtlich der Größe der Wohnungen, der Ausstattung, der Lage in Hochfeld, des Preisniveaus. Welche Wohnqualitäten werden von jüngeren Haushalte, von älteren Haushalten nachgefragt? Lassen sich Qualitätskriterien für Wohnungen/Häuser entwickeln? Gegebenenfalls Einrichtung von Qualitätszirkeln aus Interessierten, die ihre Vorstellungen zu gehaltvollem Wohnen erörtern und darlegen, nicht nur in Bezug auf die Wohnung selbst, sondern auch in Bezug auf Gemeinschaftseinrichtungen (Hausflur, Gärten etc.) oder die Fassade des Hauses etc. Zu diesem Bereich der Wohnungsnachfrage gehört in jedem Fall auch die Bewohner-/Sozialstruktur des Hauses. D. h. welche Mieter passen zusammen ("die Chemie unter den Hausbewohnern muß stimmen")? Läßt sich über diese Pflege der "Zusammensetzung" der Mieterschaft die Bindung an die Wohnung/das Haus erhöhen und die Fluktuation verringern? Empfehlung von Mietern durch Mieter als eine Möglichkeit?

 

  • Einrichtung eines "Handwerkerpools": welche Handwerker arbeiten sorgfältig, termingerecht und preiswert und können somit weiterempfohlen werden? Gegenseitige beratende Hilfestellung bei Sanierung/Modernisierung von Häusern.

 

  • Beteiligung an der Imagekampagne für Duisburg Hochfeld in Bezug auf die Wohnsituation. Die Stärken des Wohnens (auch des Wohnumfelds) in Hochfeld sollten dargestellt werden: großer Anteil an Altbauwohnungen (Gründerzeit), preiswertes Wohnen, viel Grün (Bundesgartenschau 2011) etc.


Insgesamt sollte die Kooperation zwischen den interessierten Hauseigentümern zu den genannten Zielsetzungen den Charakter eines Empfehlungs-Managements haben. Wer in Bezug auf sein Haus oder im Wohnumfeld einen Handlungsbedarf erkennt, sollte sich damit vertrauensvoll an die übrigen kooperierenden Eigentümer wenden können, die ihm, soweit möglich, Hilfen anbieten oder Empfehlungen aussprechen (z. B. Handwerker, Mieter etc.).

Als Kooperationspartner kommen auch interessierte Personen in Frage, die nicht Eigentümer sind, aber die hier dargestellten Grundideen mit tragen wollen, selbst in Hochfeld wohnen oder sich in besonderer Weise mit dem Stadtteil identifizieren oder für den Stadtteil engagieren.

Eine Mitarbeit sollte bei einem gemeinsamen Treffen per Handschlag besiegelt werden.